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Sport oder Nichtsport, das ist hier die Frage

eSport. Menschen, die den ganzen Tag vor dem Computer sitzen und sich gegenseitig erschießen. Und das soll Sport sein? Dies ist die Meinung des Großteils der Bevölkerung, wenn sie gefragt wird, ob eSport eine Sportart ist. Aber auf die Frage, warum dann Schach eine offizielle Sportart ist, werden die Antworten recht gering, denn die Definition von Sport ist den Wenigsten bekannt.

 

So definiert ihn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB):

 

·         Die Ausübung der Sportart muss eine eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität eines jeden zum Ziel haben, der sie betreibt. Diese eigenmotorische Aktivität liegt insbesondere nicht vor bei Denkspielen, Bastel- und Modellbautätigkeit, Zucht von Tieren, Dressur von Tieren ohne Einbeziehung der Bewegung des Menschen und Bewältigung technischen Gerätes ohne Einbeziehung der Bewegung des Menschen.

·         Die Ausübung der eigenmotorischen Aktivitäten muss Selbstzweck der Betätigung sein. Dieser Selbstzweck liegt insbesondere nicht vor bei Arbeits- und Alltagsverrichtungen und rein physiologischen Zustandsveränderungen des Menschen.

·         Die Sportart muss die Einhaltung ethischer Werte wie z.B. Fairplay, Chancengleichheit, Unverletzlichkeit der Person und Partnerschaft durch Regeln und/oder ein System von Wettkampf- und Klasseneinteilungen gewährleisten. Dies ist nicht gegeben insbesondere bei Konkurrenzhandlungen, die ausschließlich auf materiellen Gewinn abzielen oder die eine tatsächliche oder simulierte Körperverletzung bei Einhaltung der gesetzten Regeln beinhalten.

 

Laut Punkt 1 muss die motorische Aktivität nicht vorliegen bei der Bewältigung technischen Geräts, welches in diesem Fall der Computer oder die Konsole darstellt. Auch bei Punkt 2 widerspricht die virtuelle Körperertüchtigung nicht, denn eSport gehört weder zu einer Arbeitsverrichtung noch verändert sie den physiologischen Zustand eines Menschen. Punkt 3 trifft größtenteils zu, hat aber einen Haken. Die Anerkennung scheitert nicht am Fairplay oder der Chancengleichheit, denn die ist durch nahezu jede Spielphysik gegeben. Videospiele zielen auch nicht ausschließlich auf materiellen Gewinn ab. Nun kommt jedoch das Problem, denn eine Überzahl an Computerspielen beinhaltet simulierte Gewalt und das steht im Gegensatz zur Definition.

 

Doch genau hier stellt sich die Frage, warum ist Boxen oder Fechten anerkannt. Hier werden genauso Gewalttätige Inhalte vermittelt und doch ist es eine olympische Disziplin. Dazu kommt, dass bei diesen Sportarten die Möglichkeit besteht, dass sich die Akteure verletzen und in ihrem alltäglichen Leben eingeschränkt werden.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt zur Beurteilung des eSports ist, dass sich ein halbwegs professionelles Team sich nicht einfach hinsetzt und spielt. Genauso wie beispielsweise im Fußball, wo das Training auch nicht aus Spielen besteht. Die Spieler setzen sich in beiden Sportarten zusammen und diskutieren, was verbessert werden kann. Während im Fußball Spielzüge eingeübt werden, studiert eine „Rainbow Six Siege“ Mannschaft die Karte und überlegt, wie Bereiche der Karte verteidigt und angegriffen werden.  Aber wie Torschüsse muss auch das Zielen im Spiel trainiert werden. Für den eSport gilt auch, dass die Kommunikation stimmen muss. Denn stimmt die Absprache in einer Mannschaft nicht, kann kein Spiel gewonnen werden. Egal ob im Fußball oder im Videospiel.

 

Virtuellem Sport kann in Sachen Fairness und Chancengleichheit keine reale Sportart konkurrieren, denn Regelverstöße sind nur mit aufwendigem und offensichtlichem Einsatz möglich. So existieren keine Grauzonen, wie im Fussball, ob der Arm beim Handspiel eine aktive Bewegung zum Ball machte. Diese sind aufgrund der programmierten Spielphysik unmöglich. Das Spiel ist nach klaren Regeln angefertigt worden und jeder Begebenheit ist eine klare Reaktion auf den Spieler zugeordnet und es gibt keine Interpretationsspielräume für einen Schiedsrichter. Somit ist für jeden Spieler eine hundertprozentige Chancengleichheit gewährleistet.

 

Meiner Meinung nach ist eSport klar Sport, denn es widerspricht der Definition lediglich im Punkt der virtuellen Gewalt, welcher in anderen Sportarten deutlich ausgeprägter zu finden ist. Überzeugend ist außerdem das Auftreten als Mannschaftssport und die gewährleistete Chancengleichheit für alle.

 

Moritz Kramer

 

 

 

 

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