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Das Kinojahr 2018

Das letzte Jahr war vor allem nach den Besucherzahlen zu urteilen ein überaus Schlechtes. Auch wenn man das filmische Programm betrachtet war dieses Jahr nicht gerade das Beste aller Zeiten, trotzdem gibt es ein paar ganz besondere Filme, die man nochmal näher betrachten sollte.

 

Der Anime „Your Name“ startete im Januar in den Kinos. Schon in den USA war dieser Anime zum erfolgreichsten aller Zeiten geworden und auch in Deutschland war der Film sehr erfolgreich. Der Anime handelt von Mitsuha, die in einer kleinen Stadt auf dem Land lebt, sich aber nach einem aufregenderen Leben in der Stadt sehnt. So beginnt ein Körpertausch mit dem Schüler Taki, der in Tokio lebt und bald tritt auch eine ernsthafte Bedrohung ein. Dieser Anime ist ausgestattet mit einer rührenden Geschichte, die auch keinesfalls vorhersehbar ist. Hierbei wird der Kontrast zwischen dem Mädchen vom Land und dem Jungen aus der Großstadt besonders gut herausgestellt, wodurch auch eine emotionale Tiefe erreicht wird. Außerdem ist es immer interessant die andere Kultur Japans dargestellt zu sehen, wobei hier natürlich die Darstellung des eher traditionelleren Landlebens sehr bereichernd sein kann. Der Film ist also auch visuell sehr ansprechend. Schon vor einiger Zeit kündigte auch der Regisseur J.J. Abrams an eine Realverfilmung des Werks zu verfilmen.

 

Der wohl beste Film des Jahres ist und bleibt der im Januar erschienene „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“. Nachdem nach Monaten der Mörder ihrer Tochter immer noch nicht gefasst wurde beschließt Mildred Hayes drei Werbetafeln an der Zufahrtsstraße der Kleinstadt im Süden der USA aufstellen. Auf diesen Schildenr stehen provozierende Sprüche, die den ortsansässigen Polizeichef Chief Willougby auffordern sollen endlich zu handeln. Schließlich mischt sich auch ein weiterer Polizeibeamter namens Dixon ein, wodurch der Konflikt zwischen der Polizei und Mildred immer mehr zunimmt und auch andere Bewohner der Kleinstadt beginnen einen Kleinkrieg mit der gebrochenen Mutter. Vor allem die Charaktere in diesen Filmen sind großartig. Sowohl Frances McDormand, die Mildred Hayes verkörpert, bekam einen Oscar für ihre Darstellung, als auch Sam Rockwell für die Darstellung von Officer Dixon. Auch Woody Harrelson war nominiert für seine Darstellung des Polizeichefs. Alleine das spricht für sich. Die Charaktere zu beobachten, wie sie sich durch die Ereignisse entwickeln ist unglaublich einnehmend. Auch das Drehbuch ist grandios geschrieben und sehr unvorhersehbar und spannend. Die Dialoge sind großartig verfasst und jeder Charakter hat eine große Tiefe. Natürlich schmeißt der Film nicht gerade mit Effekten um sich und hat visuell vielleicht nicht so viel zu bieten, hat dafür aber eine umso bessere Geschichte. Im Prinzip kann man nichts aussetzen an diesem Meisterwerk.

 

„Lady Bird“ ist ein Film über das Erwachsen werden. Was nach einem durchschnittlichen Teenie-Film klingt, ist in diesem Fall ein ganz besonderes Erlebnis. Der Film erschien im April und war auch während der Oscar Saison im Fokus, weil der Film nominiert wurde, unter anderem für die beste Regie. In diesem Fall war die Regisseurin Greta Gerwig, die als erste Frau für diese Kategorie nominiert wurde. Im kalifornischen Sacramento lebt die High-School Schülerin Christine McPherson, die sich selbst den Namen Lady Bird gibt. Sie ist genervt von ihrem Leben in der High-School, ihrer Familie und ihren ersten Erfahrungen mit Jungen. So streitet sie vor allem mit ihrer Mutter und kämpft gegen ihr Elternhaus an. In Wahrheit träumt sie von einem freien Leben an der Ostküste, wozu ihr allerdings das Geld und die guten Noten fehlen. Daher liegt vor Lady Bird ein Jahr das aufzeigt was der Prozess des Erwachsen-Werdens mit sich bringt. Der Film ist gleichzeitig ein Drama und eine Komödie und zeigt fast beispiellos auf wie das Erwachsen werden gestaltet. Dabei spielt der Konflikt mit den Eltern und die verschiedenen Phasen von Gefühlen und Änderungen eine große Rolle. Der Film hängt einem sehr lange nach und ist unglaublich glaubwürdig.

 

Weiterhin erschien im April der Blockbuster des Jahres. Kein anderer Film hat so einen Hype erzeugt. Normalerweise hat man nicht so hohe Erwartungen an einen Blockbuster, aber dieser wurde von vielen Filmen zehn Jahre lang vorbereitet. Da der Film auf dieser Liste steht ist klar, dass er nicht enttäuscht hat, vielmehr war er sogar überraschend gut. Hierbei handelt es sich natürlich um „Avengers: Infinity War“. Die Avengers müssen sich wieder zusammentun, um den Bösewicht Thanos auf seinem zerstörerischen Feldzug zu stoppen. Dabei treffen sie auch auf neue Verbündete. Der Film ist so anders, als alle anderen Marvel Filme, gerade weil er kein Problem mit seinem Bösewicht hat. Thanos ist bedrohlich und hat eine einigermaßen überzeugende Motivation, außerdem hat er keine Skrupel, was ihn glaubwürdig macht. Der episodenhafte Film legt den Fokus immer wieder auf eine andere Gruppe aus Helden und bleibt spannend bis zum Schluss. Das Ende des Filmes lässt viele Fans noch mehr den nächsten Film warten und so geht der Hype weiter. Der Film wird einfach jeden mitnehmen, gerade weil er so anders ist als alle 18 Marvel Filme zuvor. Der Film ist also mehr ein Film über Thanos, als über die Avengers und jeder der auch nur ein bisschen was für Superhelden übrig hat oder einfach ein großartiges Kinoerlebnis schätzt, sollte den Film sehen, auch wenn es besser ist sich vorher mit den anderen Filmen befasst zu haben, um wirklich alles zu verstehen.

 

Im Mai erschien ein eher kleiner Film, der aber definitiv eine große Überraschung ist. Der Film „No way out: Gegen die Flammen“ ist ein Drama, dass auf wahren Begebenheiten aus dem Jahr 2013 basiert. Im original heißt der Film „Only the Brave“ und dieser Titel ist wesentlich besser. Ein Feuerwehrteam unter der Leitung von Eric Marsh lässt sich gerade zu einer Hotshot-Crew weiterbilden, was bedeutet, dass sie große Waldbrände direkt am Feuer bekämpfen. Als sich Brandon McDonough, der mit Drogenproblemen kämpft, sich dort bewirbt wird er aufgenommen und bald Teil der Feuerwehr-Familie. Allerdings fordern die hoch gefährlichen Einsätze direkt an vorderster Front bald ihren Tribut. Die Geschichte dieser Feuerwehrtruppe, die eine große Familie bildet und hier jeder jeden bestens kennt und sie sich gegenseitig ihr Leben anvertrauen müssen ist hoch emotional. Während den Einsätzen während Bilder der Natur gezeigt, die nicht nur faszinierend sind, sondern auch einen gewaltigen Respekt vor der hochgefährlichen Arbeit dieser Berufsfeuerwehrmänner. Der Film ist mitreissend und sehr emotional. Vor allem geht er nicht aus dem Kopf und auch Monate nach dem Sehen ist man beeindruckt von diesem Film nach wahren Begebenheiten. Auf jeden Fall gibt es niemanden, der bei diesem Film keine Träne verdrückt. Nach diesem Film hat man auf jeden Fall einen ganz anderen Respekt vor der Arbeit von Feuerwehrmännern.

 

Im August lief dann „Blackkklansman“ über die Leinwände. Dieser Film basiert auf einer wahren Geschichte und spielt in den 70-Jahren in Colorado Springs. Dort ist Ron Stallworth der erste afroamerikanische Polizist der Gegend. Hier startet er eine Infiltration des rassistischen Ku-Klux-Klans. Hierbei nimmt er über Telefon Kontakt mit der ortsansässigen Klan-Gruppe auf und gibt sich als Rassist aus, wodurch er schnell in den inneren Kreis der Gruppe gelangt. Als es dann zu persönlichen Treffen kommt übernimmt sein Kollege Flip Zimmermann seine Rolle. So versuchen beide zusammen in dieser irrwitzigen Undercover Aktion den Ku-Klux-Klan zu Fall zu bringen. Besonders interessant ist der Film, um zu sehen, wie man selbst mit dem Thema umgeht, bis man erkennt wie aktuell das Thema ist. Der Film ist spannend, sehr unterhaltsam und hat eine tolle Besetzung. Besonders das Ende wirkt sehr stark auf die Zuschauer ein. Eine Empfehlung ist hierbei den Film im Originalton zu sehen und nicht in der deutschen Synchronisation.

 

Im Oktober startete ein Film, der unerwartet erfolgreich geworden ist und selbst zwei Monate danach noch Kinosäle füllt. Mit einem vorläufigen Einspielergebnis von über 600 Millionen Dollar ist der Film der zweite Blockbuster dieser Liste. Der Film von dem die Rede ist heißt „Bohemian Rhapsody“ und erzählt die Geschichte der Band Queen, wobei der Fokus mehr auf dem Leadsänger Freddie Mercury liegt, als auf seinen Kollegen. Der Film begleitet die legendäre Rock-Band ab Anfang der Siebziger und man sieht wie Hit nach Hit produziert wird. Einem Film dem ein Soundtrack wie der von Queen zugrunde liegt, mit Songs die jeder kennt, ist an sich schon ein Erlebnis. Die Geschichte der Band musste zwar gekürzt werden und das mag den ein oder anderen stören, aber trotzdem bleibt der Film als Kinoerlebnis großartig. Es gibt viele Momente die faszinieren und besonders das Ende zeigt wie die Begeisterung für eine Band auftreten kann. Rami Malek strahlt als Freddie Mercury eine unglaubliche Aura aus und imitiert seine Art, vor allem während den Konzertszenen sehr genau. Ein wenig Schade ist, dass von den anderen Bandmitgliedern weniger zu sehen ist, aber grundsätzlich zieht einen der Film in seinen Bann und man würde gerne noch mehr davon sehen.

 

Im November erschien ein Biopic über Neil Armstrong, den ersten Mann auf dem Mond. Dieser Film ist, obwohl man weiß wie die Geschichte verlaufen wird, faszinierend. Der Film erzählt die Geschehnisse rund um die Mondmission und die damit verbundenen Konflikte und Probleme, die Neil Armstrong meistern musste. Nachdem er Anfang der 60er Jahre als Ingenieur und Testpilot gearbeitet hat bewirbt sich Armstrong, nach einem Schicksalsschlag in der Familie, für das Mondfahrtprogramm der NASA. Dadurch wird er Teil des Wettbewerbs zwischen Russland und den USA, wer als erstes auf dem Mond landet. Während seiner Ausbildung zum Astronauten muss er unglaubliche Herausforderungen und Strapazen überstehen, während er weiß, dass jeder Fehler seinen Tod bedeuten könnte. Dabei geht es vor allem um die Gefahren für ihn und seine Familien und die technische Meisterleistung, die hinter der Mondmission steckt. So gelingt dem noch sehr jungen Regisseur Damian Chazelle, der vorher die ausgezeichneten Filme Whiplash und LaLaLand drehte, ein hochspannendes Werk, obwohl jedem klar ist, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Manche stören sich an der Darstellung von Neil Armstrong durch Ryan Gosling und bezeichnen diese als Gefühlskalt, aber das lässt sich anzweifeln. Besonders der Sound und die Kameraführung ist sehr beeindruckend und alleine deswegen ist der Film sehenswert.

 

Natürlich gab es im letzten Jahr noch viele andere gute Filme, aber diese Liste stellt einfach nochmal die wirklich sehenswerten, die jeder kennen sollte zusammen. Aber auch im nächsten Jahr erwarten uns wieder viele gute Filme. Blockbuster sind am Start, wie zum Beispiel der nächste Avengers, Star Wars 9, Frozen 2, eine Realverfilmung von König der Löwen und viele andere. Schon im Januar gibt es einen absolut sehenswerten Film namens „Green Book“ und einen anderen namens „The Favourite“. Die Trailer und Filme sind nur zu empfehlen. Weiterhin kommt ein weiteres Prequel zu Rocky mit Sylvester Stallone und Michael B. Jordan namens „Creed 2“. Im Februar kommt „Drachenzähmen leicht gemacht 3“, dessen Trailer grandios aussieht. Es gibt also jede Menge, auf dass man sich freuen kann. Daher, geht ins Kino!

 

 

Martina Deurer

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