· 

Der Ryder Cup - Golfen mit Stadionatmosphäre

Die meisten Menschen denken, dass Golfen eine extrem langweilige Sportart ist, die hauptsächlich von Rentnern ausgeübt wird und dass es ja wohl nicht so schwer sein kann, seinem Ball hinterherzulaufen. Dabei unterschätzen viele jedoch die Nervenstärke und Konzentration, die man neben den technischen Fähigkeiten als Golfer benötigt, um sich auf den nächsten Schlag zu konzentrieren und sich dabei von nichts ablenken zu lassen. Dass Golfen vor allem in den USA auch bei Jugendlichen und Kindern ein sehr beliebter Sport ist, zeigt sich, wenn man einen Blick in die Zuschauermassen wirft, die ihre Idole auf den Golfturnieren der PGA Tour (die wichtigste Liga der Golftour in Amerika, auf welcher die besten Spieler der Welt in diversen Turnieren gegeneinander antreten) begleiten.

Ein noch größerer Publikumsmagnet ist der seit 1927 alle zwei Jahre stattfindende Ryder Cup. Er ist das beliebteste Mannschaftsturnier im Golfsport, bei dem die Mannschaft der USA gegen die der Europäer antritt und abwechselnd von beiden Kontinenten ausgerichtet wird. Vom 28. bis 30. September findet die 42. Auflage des Turniers auf dem Albatros Course des Le Golf National in Saint-Quentin-en-Yvelines in der Nähe von Paris statt. 


Seit 1979 tritt die Mannschaft aus den USA gegen ein Team aus ganz Europa an, zuvor wies dieses nur Spieler aus Großbritannien auf. Beide Mannschaften bestehen aus 12 Spielern und werden von einem Captain geführt, der nicht notwendigerweise Teil der spielenden Mannschaft sein muss. Über die sogenannte „Moneylist“ qualifizieren sich die besten acht bis zehn Spieler der PGA Tour für einen Platz im amerikanischen Team. 

Das gleiche Verfahren läuft auch in der europäischen Mannschaft ab, jedoch sind hier die Listen der PGA European Tour relevant, dem europäischen Gegenstück zur PGA Tour in Amerika. Die restlichen freien Startplätze in beiden Teams werden vom Captain an Spieler vergeben, die in der laufenden Saison besonders gute Leistungen gezeigt haben. 

In diesem Jahr sind die Mannschaften aus beiden Lagern sehr prominent besetzt. In der Mannschaft der USA spielt dieses Jahr zum Beispiel auch Tiger Woods mit, der im Dezember 2017 sein Comeback auf der PGA Tour feiern konnte und vom Kapitän Jim Furyk eine Wildcard für das Turnier erhielt. Doch auch in der Mannschaft der Europäer, in der der beste deutsche Golfer Martin Kaymer keinen Startplatz erhielt, sind in diesem Jahr extrem starke Spieler wie beispielsweise der Weltranglistenerste Justin Rose aus England aufgestellt.

Die Teams spielen an drei aufeinanderfolgenden Tagen 28 Partien aus, davon zwölf am Sonntag als Einzel (also ein Europäer gegen einen Amerikaner) und bei den restlichen 16 Partien spielen jeweils zwei Amerikaner gegen zwei Europäer. Diese werden Vierer genannt und werden am Freitag und Samstag ausgespielt. Alle Partien werden im Lochspielmodus ausgetragen, das heißt der Spieler oder das Team mit der niedrigeren Schlagzahl gewinnt das Loch und bekommt einen Punkt. Ist die Schlagzahl identisch, wird das Loch geteilt und niemand bekommt einen Punkt.

Wird eine Partie gewonnen, so erwirtschaftet der Sieger einen Punkt für seine Mannschaft in der Gesamtwertung. Geht die Begegnung unentschieden aus, bekommen beide Mannschaften jeweils einen halben Punkt. Durch dieses Punktesystem wird am Sonntag nach allen Begegnungen die Siegermannschaft festgestellt. Sollte es jedoch nach allen 28 auszutragenden Partien 14:14 stehen, so gewinnt der Sieger des letzten Ryder Cups erneut. Falls es dieses Jahr zu einem Unentschieden kommen sollte, würde also die Mannschaft der USA erneut gewinnen, da sie die europäische Mannschaft 2016 besiegen konnte.


Neben der Ehre für den eigenen Kontinent aufzulaufen, erleben die Spieler beim Ryder Cup auch das golfbegeisterte Publikum von einer anderen Seite. Ählich wie im Fußballstadion werden die Kontinentalteams von den jeweiligen Anhängern mit lauten Anfeuerungsrufen unterstützt, beziehungsweise durch Zwischenrufe irritiert. Dies ist bei regulären Golfturnieren verboten, weshalb es immer eine besondere Erfahrung und Herausforderung ist, unter Stadionatmosphäre Teil einer Ryder Cup Mannschaft zu sein.


Ida Sailer

Kommentar schreiben

Kommentare: 0