Die Jugendfeuerwehr - Freizeitbeschäftigung und Leidenschaft


Seit fast fünf Jahren ist Maximilian Kramer schon ein Mitglied der Jugendfeuerwehr Adelsried. Vor kurzem feierte er seinen 18. Geburtstag und ist damit nun ein vollwertiger Feuerwehrmann. Ich sprach mit ihm über seine Erfahrungen mit dem geliebten Hobby.

Hallo Herr Kramer, Sie sind jetzt bereits seit Ende 2013 in der Jugendfeuerwehr, was ja doch nicht unbedingt als gewöhnliche Freizeitaktivität betrachtet wird. Wie kam es also zu Ihrem Beitritt?

Ich war schon als kleiner Junge sehr interessiert und fasziniert von den Tätigkeiten der Feuerwehr. Als dann im Sommer 2013 die Jugendgruppe meiner Feuerwehr neu gegründet wurde, habe ich mit meinem besten Freund eine Werbeveranstaltung am „Tag der Vereine“ besucht, bei der wir verschiedene Sachen ausprobieren durften. Wir haben Feuerlöscher benutzt und haben sogar eine Gasflamme eingefangen. Meine Neugier war wieder geweckt und zusammen mit meinem Freund habe ich meinen Kindheitstraum, Feuerwehrmann zu werden mit dem Betritt in die Jugendfeuerwehr, umgesetzt.

Was mögen Sie besonders gerne am Vereinsleben in der Feuerwehr?

Der Zusammenhalt bei uns ist sehr groß, man kann sich immer auf den anderen verlassen und das ist sehr wichtig, vor allem in Einsätzen. Wir arbeiten zusammen in Zweierteams, da ist Absprache und Vertrauen natürlich sehr wichtig. Das spiegelt sich auf im Vereinsleben wider. Beim Maibaum aufstellen sowie auch beim Aufbauen für unser jährliches Dorffest kann man das gut sehen. Aber auch so haben wir immer viel Spaß zusammen, nach den Übungen, auf Ausflügen und Festen. Wir sind eine gute Gemeinschaft.

Was unterscheidet die Jugendfeuerwehr von anderen Jugendgruppen?

Als Mitglied ist man Feuerwehranwärter, man wird auf seine Pflichten als Feuerwehrmann vorbereitet und ausgebildet. Wir verbinden Wissen und Lernen mit Spaß und Gemeinschaft. Die Jungen und Mädchen bei uns lernen viele verschiedene Sachen, die ihnen auch in anderen Situationen helfen können. Von Schläuche ausrollen und Löschen, über funken, bis hin zum Sichern und Zerschneiden oder Anheben von Autos ist bei uns alles mit dabei. Zum Beispiel eine Sportgruppe bietet da ein eher kleineres Spektrum. Jedes zweite Jahr fahren wir zusammen übers Wochenende ins Zeltlager, wo wir die Jüngeren die Jugendleistungsspange durch eine Prüfung erwerben. Das Zeltlager findet im jährlichen Wechsel mit unserer 24 Stunden Übung statt, bei der die 24 Stunden andauernde Schicht eines Berufsfeuerwehrmanns simuliert wird. Wir fahren auf Übungseinsätze und kochen zusammen. Das ist immer ein tolles Erlebnis für alle und steht uns auch demnächst wieder bevor.

Sie sind ja vor kurzem 18 Jahre alt geworden, was hat sich mit Ihrem Übertritt in die Aktive Wehr für Sie verändert?

Auf jeden Fall muss ich jetzt mehr Verantwortung übernehmen. Ich darf auch endlich mit auf Einsätze fahren. In Bayern ist das zwar gesetzlich ab 16 erlaubt, aber nur außerhalb von Gefahrenbereichen. Da Adelsried an der Autobahn liegt und wir hauptsächlich dort unsere Einsätze haben, dürfen wir erst mit 18 mitfahren. Ich muss auch mehr Zeit investieren, Einsätze können manchmal stundenlang andauern und die Übungen der Aktiven besuche ich jetzt auch noch.

Wie war denn Ihre Erfahrung mit Ihrem ersten Einsatz?

Sehr aufregend und anders als erwartet. Es war ein perfekter erster Einsatz. An dem Abend waren wir schon am Feuerwehrhaus als die Sirene ging und sind dann auf die Autobahn gefahren, wo ein LKW fast umgekippt ist. Es war ein relativ großer Einsatz. Das Technische Hilfswerk kam auch noch zur Unterstützung. Der Einsatz hat sich doch teilweise von unseren Übungen unterschieden. Dort sind alle Aufgaben vorher klar auf die Trupps verteilt. In Wirklichkeit macht man viel eher spontan untereinander aus, wer welche Aufgabe erledigt. Das meiste zu tun hatten wir dann in den ersten 15 Minuten des Einsatzes. Man muss absperren und die benötigten Geräte aus dem Fahrzeug holen und aufbauen. Danach mussten wir erstmal eine ganze Weile auf den Abschleppdienst warten.

Glauben Sie dass die Freiwilligen Feuerwehren in Zukunft mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben werden?

Ja auf jeden Fall. Die meisten Beitritte in die Aktive Wehr sind Übertritte aus der Jugendgruppe. Die Freizeitangebote für Jugendliche sind in den letzen Jahrzehnten stark gestiegen. Auch Schulen, die öfters auch mal weiter weg sind, bieten neben Ganztagesklassen immer mehr Freizeitbeschäftigungen an. Jugendliche haben weniger Zeit, sodass sie oft nicht mehr auf die Freizeitangebote im Dorf zurückgreifen. Auch andere Vereine haben dieses Problem.

Worauf freuen Sie sich am meisten in Ihrer näheren Zukunft als Feuerwehrmann?

Nächten August feiern wir 1000 Jahre Adelsried, wofür wir jetzt schon vieles planen und vorbereiten müssen. Das wird eine große Herausforderung für unseren Verein, sowie auch alle anderen Dorfvereine, aber wir freuen uns auch schon sehr darauf. Außerdem freue ich mich noch auf meine Weiterbildungen, damit ich mein Wissen erweitern kann und in Zukunft andere Aufgaben, wie zum Beispiel als Atemschutzgeräteträger in den Innenangriff bei einem Brand zu gehen, übernehmen kann.

Vielen Dank für die interessanten und informativen Antworten.

Julia Ohnesorg

Kommentar schreiben

Kommentare: 0