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Alles Fake?


„Fake News!“ 

Mittlerweile ist dieser Begriff Teil des modernen Vokabulars. Aber wo kommt er her? Wie lange gibt es Fake News schon? Was für Auswirkungen kann er auf Demokratien haben? 


Seit der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten im Jahr 2016 kennt diesen Begriff wohl jeder und viele verbinden ihn deshalb mit Präsident Trump. Allerdings haben Fake News in den USA eine viel längere Geschichte. Die erste Zeitung, die in Amerika herausgegeben wurde, wurde auf Grund einer falschen Berichterstattung geschlossen. Im Jahr 1690 schrieb der Herausgeber über den damaligen französischen König, dass er mit seiner Schwiegertochter eine Affäre habe. Dies entsprach nicht der Wahrheit; der König hatte keine Schwiegertochter. Danach gab es in den Staaten für 14 Jahre keine Fake News, es gab allerdings auch keine Zeitungen mehr.

Im späten 19. Jahrhundert verstand man in journalistischen Kreisen etwas anderes unter dem begriff „faking“. Hierbei ging es nur darum, den Artikel, der geschrieben wurde, etwas lebhafter und interessanter zu gestalten, ihm dem Leser ein Stück schmackhafter zu machen. William Hills sagte in 1887 „Ein Grund, warum wir unsere Leser anlügen sollten, ist, dass unsere Leser wollen, dass wir sie anlügen“. Demnach wollte man die ‚Kunden‘ also glücklich machen, indem man ein paar Details einfüllt oder verändert. 

Der seriöse Journalismus in den USA begann im sehr späten 19. und im frühen 20. Jahrhundert, als Objektivität und Vorurteilsfreiheit zu wichtigen Werten in der Berichterstattung wurden. Einer der bedeutendsten Größen hierbei war die New York Times, die gerade von Adolf Ochs übernommen wurde. Er wollte die Zeitung in ein respektables Blatt verwandeln. Unter ihm erreichte die Times internationale Reichweite und Beachtung. 


Heute scheinen wir allerdings wieder in Fake News zu versinken. Ein Grund hierfür könnten die neuen Technologien sein. Einige denken zwar, dass sie die Manipulation der Wahrheit erschweren. In Wirklichkeit aber, meint Andie Tucher, eine Professorin an der Columbia University, eröffnen die Erfindungen, vom Foto bis zum Internet, neue Wege, um die Realität zu eigenen Gunsten darzustellen. 

Dem normalen Benutzer von Internet und Sozialen Netzwerken wird auch manchen Internetseiten oder Blogs gar nicht auffallen, dass er sich hier nicht auf der Seite von vertrauenswürdigen Quellen, sondern auf stark beeinflussenden Medien befindet. 

Aber auch wenn sich der Bürger auf den Seiten der anerkannten Zeitschriften oder Nachrichtensender befindet, wird er ihnen oft keinen Glauben schenken. Wenn sich ein Individuum eher im linken politischen Spektrum befindet, lehnt er den eher konservativen Sender Fox News ab, befindet er sich im eher auf der rechten Seite, werden Sender wie CNN und MSNBC als Fake News abgetan. Dies kann eine Spaltung der Gesellschaft hervorbringen. Demokratien sind, laut Professor Carsten Reinemann, darauf angewiesen, dass die Bürger und auch die politischen Entscheidungsträger sich zu einem gewissen Grad einig sind, was die Realität dort draußen eigentlich ist. Der Ansatz, alles das Fake News zu nennen, was nicht in das Weltbild passt, kann also durchaus gefährlich werden. Wenn dann auch der Präsident den Begriff Fake News in seinen täglichen Tweets verwendet, kann das das Vertrauen der Bevölkerung in die Medien noch weiter. Grundsätzlich gilt in Amerika, so wie bei uns, die Meinungsfreiheit, das bedeutet, dass jeder denken und sagen kann, was er will. Das ist auch gut so. Wenn allerdings in einem Land nicht mehr verschiedene Meinungen zu einem Problem dargestellt werden, sondern erstmal darüber diskutiert werden muss, ob das Problem überhaupt existiert, kann sich das betroffene Land in eine Krise bewegen. Da ist es auch egal auf welcher Seite man steht, wichtig ist, dass man als Bürger selbst Verantwortung übernimmt und sich mehrere Quellen ansieht, sich gut informiert und sich selbst eine differenzierte Meinung bildet. 



- Eva Stadler