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Der Untergang der Menschlichkeit?

In den letzten Tagen waren die Schlagzeilen voll mit der Geschichte eines thailändischen Fußballteams, das durch den Monsunregen in einer Höhle gefangen war. Es schien, als sei jeder besorgt um die Mannschaft; die Rettung wurde aufgeregt in den Medien verfolgt.

Gleichzeitig ertranken hunderte Geflüchtete auf ihrem Weg über das Mittelmeer nach Europa. Und statt dass die Gesellschaft Mitgefühl für diese tragischen Schicksale zeigt, weisen zahlreiche europäische Mittelmeerländer Rettungsschiffe ab oder verbieten erneutes Auslaufen der Schiffe.

Denn dank rechter Hetze lehnen immer mehr Menschen Geflüchtete ab; die Festung Europa verschließt sich gegenüber Hilfesuchenden. Mitleid hat man nur noch mit Menschen, die nicht bei uns Asyl suchen. Immer lauter werden die Forderungen, im Mittelmeer gerettete Geflüchtete einfach zurück in ihre Heimat bzw. zurück in Länder wie Libyen zu bringen. Dass die Schiffsbesatzungen mit dem Transport an diese unsichere Orte nicht nur gegen geltendes Seerecht, wie zum Beispiel die Refoulment-Verbote, verstoßen, sondern auch einfach vollkommen unmenschlich handeln würden, scheint kaum jemanden zu interessieren.

Es wirkt so, als würde Menschlichkeit in Europa langsam aussterben, als wären christliche Werte, wie zum Beispiel Nächstenliebe, am Verschwinden. Aber nicht etwa auf Grund der Asylbewerber, wie rechtsgerichtete Parteien gerne behaupten, sondern wegen „christlichen“ deutschen Parteien, die lieber gegen hilfsbedürftige Menschen hetzen, statt tatsächlich christlich zu handeln und sich für Geflüchtete einzusetzen. Dabei scheinen sie gerne zu ignorieren, dass auch Jesus Flüchtling war. 

Das momentan beste Beispiel für dieses ignorante und menschenverachtende Verhalten, ist wohl der Umgang der Mittelmeerstaaten mit Rettungsschiffen wie der „Lifeline“. So wurde ihr vor wenigen Tagen nicht nur von mehreren Ländern wie Italien, Malta und Spanien die Anlegeerlaubnis verweigert, das Boot wurde schließlich von maltesischen Behörden beschlagnahmt, die Mannschaft strafrechtlich verfolgt und der Kapitän sogar vor Gericht gestellt. Auch gegen andere Organisationen bzw. deren Schiffe wird vorgegangen, oftmals dürfen die Boote nicht mehr auslaufen und Flugzeuge nicht mehr abheben. Als wäre das nicht schon genug, verschließt Italien nun den ganzen Sommer seine Häfen für Rettungsschiffe. Dies zeigt die Prioritäten europäischer Regierungen recht gut, die lieber den Tod zahlreicher Menschen in Kauf nehmen, als Geflüchteten zu helfen.

Dennoch scheint es in unserer Gesellschaft noch einen Rest Menschlichkeit zu geben: Am Samstag protestierten tausende Menschen bundesweit gegen die Kriminalisierung humanitärer Hilfe und mehrere Spendenaktionen zur finanziellen Unterstützung der „Lifeline“ bzw. zur Kostendeckung des Prozesses gegen den Kapitän wurden gestartet. Nun bleibt zu hoffen, dass die Politiker sich von den Demonstrationen beeinflussen lassen und endlich realisieren, dass es ihre Pflicht ist, Menschen in Not zu helfen. 


Teresa Kuntzsch