· 

Fragen, die jeder Schüler dem Kultusministerium schon einmal stellen wollte - Ein Interview mit Staatssekretärin Carolina Trautner

Carolina Trautner ist seit September 2013 im Bayerischen Landtag Abgeordnete der Christlich-Sozialen Union (CSU) für den Stimmkreis Augsburg-Land Süd. In dieser Zeit war sie Mitglied des Bildungs-, sowie des Petitionsausschusses. Seit März 2018 bekleidet sie nun das Amt der Staatssekretärin für Unterricht und Kultus. In diesem Interview beschreibt sie ihren politischen Werdegang, ihre Hauptaufgaben und beantwortet Fragen, die jeder Schüler dem Kultusministerium schon einmal stellen wollte.


Sie sitzen jetzt schon seit 5 Jahren im Bayerischen Landtag. Wie sind Sie denn eigentlich zur Politik gekommen und welchen Beruf haben Sie davor ausgeübt?


Bevor ich die Politik zu meinem Beruf gemacht habe, war ich in der Pharmazie tätig. Ich bin Apothekerin, habe Teilzeit in einer Apotheke gearbeitet und mich den Rest des Tages um meine beiden Kinder gekümmert. Außerdem war ich im Elternbeirat des Kindergartens. Einmal hatten wir Ärger mit der Gemeinde, haben uns als Elternbeirat tierisch aufgeregt und uns sehr eingesetzt, sodass dann im Endeffekt der Bürgermeister und der damalige Fraktionsvorsitzende des Gemeinderates zum Gespräch erschienen sind. Einen Tag später wurde ich von Jemandem angerufen und gefragt, ob ich nicht in die Politik gehen möchte. Und das war dann der Start.


Und wie war Ihr schulischer Werdegang?


Ich habe zunächst vier Jahre die Grundschule am Roten Tor in Augsburg besucht, als wir noch in der Stadt gewohnt haben. Dann bin ich auf meinen eigenen Wunsch in ein Mädchengymnasium gegangen und habe am Anna Barbara von Stettenschen Institut mein Abitur gemacht.


Seit März sind Sie Staatssekretärin im Kultusministerium. Was sind Ihre Hauptaufgaben?


Die sind natürlich ziemlich vielfältig. Eine Aufgabe, die ich ganz alleine betreue, ist das Beantworten aller Eingaben und Petitionen. Wenn Abgeordnete Anliegen haben, beantworte ich auch diese Anfragen mit. Natürlich muss ich auch im Plenum sprechen, wenn der Minister nicht da ist. Außerdem muss ich viele Termine übernehmen, bei welchen ich mit Lehrer- oder Elternverbänden, oder auch mit Schülervertretern diskutiere und mir ihre Anliegen anhöre. Ich darf aber auch andere Termine wahrnehmen. Heute war ich zum Beispiel in Füssen und habe den Chorklassen-Tag  begleitet und ein Grußwort des Ministeriums gesprochen. Dort haben 800 Schülerinnen und Schüler gesungen. Es gibt also vielfältige Aufgaben.


Wie unterscheidet sich Ihr jetziger Alltag von dem eines „normalen“ Abgeordneten?


Ich habe jetzt natürlich keine Ausschüsse mehr und musste alle, in denen ich als Abgeordnete gewesen bin, abgeben. Jetzt ist man im Ministerium tätig und kann da natürlich auch noch anders gestalten und Dinge vorgeben. Man hat ein riesiges Haus mit ganz vielen Fachreferenten, die auf alles Mögliche spezialisiert sind und von denen ich mir jederzeit Hilfe holen kann. Als Abgeordnete habe ich in einem Büro mit drei Mitarbeitern gearbeitet. Das macht natürlich schon einen riesen Unterschied und man ist einfach auf der anderen Seite: Man ist im Ministerium, man kann entscheiden. Als Abgeordneter muss man sich immer mit anderen Kollegen zusammenschließen und Anträge stellen, das ist sehr zeitaufwendig. 



Ich besuche gerade die 11. Klasse des Gymnasiums und mache nächstes Jahr mein Abitur. Mittlerweile mache ich mir schon Gedanken, welchen Studiengang ich wählen möchte. Gleichzeitig stellt man dann sehr schnell fest, dass der Anspruch des Abiturs in einigen Bundesländern deutlich niedriger ist. Trotzdem haben sie zu Studiengängen wie beispielsweise Medizin die gleichen Zulassungsbeschränkungen wie bayerische Abiturienten. Ist das nicht ungerecht?


Das kann man natürlich aus Sicht eines Abiturienten manchmal so verstehen, allerdings ist unsere oberste Prämisse, dass wir in Bayern unser Niveau halten. Wir haben einfach die besten Schülerinnen und Schüler, weil wir hohe Ansprüche stellen und ich denke auch, dieses Wissen nimmt Einem hinterher keiner mehr. Wenngleich es einen natürlich  ein Stück weit ärgert, wenn man Medizin studieren möchte. Aber die bayerischen Universitäten vergeben 20% der Studienplätze für Medizin nur im Vergleich mit bayerischen Bewerbern, sodass also da nur die „Bayern“ untereinander verglichen werden. Außerdem wurde ja eine Reform der Zulassung für das Medizinstudium angestrebt. Diese begrüße ich sehr, vor allem, wenn man bei der Bewertung Praktika und Berufsausbildungen mit einfließen lässt, die schon mit dem medizinischen Bereich zu tun haben. Ich finde es gut, wenn ein Sanitäter oder ein „Bufdi“ (Anm.: Bundesfreiwilligendienst), der in diesem Bereich schon tätig war, gewisse Pluspunkte bekommt und wenn es dann nicht nur um die Note geht.


Ein weiteres Beispiel für den hohen Anspruch unserer Schulen sind die Stegreifaufgaben, die es in dieser Form ja auch nur in Bayern gibt und über die sich jede Schülergeneration ärgert. Was halten Sie davon, die Stegreifaufgaben generell abzuschaffen, oder zumindest in den Fächern, in denen man sowieso Schulaufgaben schreiben muss?


Ich habe mich als Schülerin über Stegreifaufgaben geärgert, meine Kinder haben sich auch über sie geärgert. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich mein Lernen streckenweise stark unterbrochen, oder zumindest nicht so intensiv betrieben hätte, wenn da nicht die unangesagten Prüfungen gewesen wären. Ich glaube es ist besser, wenn man ab und zu damit rechnen muss, dass ein unangesagter Test kommt. Sonst ist man dazu geneigt, nur auf Schulaufgaben zu lernen und das Ganze schnell reinzupauken und dann auch schnell wieder zu vergessen.


An welchen Themen arbeiten Sie denn gerade und wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf in unserem Schulsystem?


Wir arbeiten gerade an einem ganz großen Thema, an der Digitalisierung der Schulen. Das ist ein riesiges Themenspektrum, weil es ja nicht damit getan ist, dass die Schulen jetzt alle Geräte zur Verfügung gestellt bekommen und dass der Lehrer einen digitalen Arbeitsplatz bekommt. Wir haben jetzt auch Förderrichtlinien erarbeitet, die wir mit den kommunalen Spitzenverbänden abstimmen, also mit den Landräten und Bürgermeistern, die ja Sachaufwandsträger der Schulen sind. Da gilt es natürlich auch, die Netze soweit zu entwickeln, dass die Schulen auch arbeiten können. Es darf nicht sein, dass es fünf Minuten dauert, bis sich ein Bild aufgebaut hat, denn dann nützt die schönste Technik nichts. Wichtig ist auch, dass wir ein großes Fort- und Weiterbildungskonzept für unsere Lehrkräfte haben, die sich in dieser Thematik ja auch weiterbilden müssen. Manche Lehrer, die nicht so technikaffin sind, haben glaube ich eher Sorge, dass die Schüler ihnen in manchen Dingen überlegen sind. Ich finde es auch wichtig, dass nicht nur die Technik im Vordergrund steht, sondern nach wie vor der Schüler und die Schülerin, sodass also auch nicht nur die Chancen genutzt werden dürfen, sondern dass auch die Lehrkräfte auf die Risiken hinweisen können. Und dann brauchen wir die Weiterentwicklung der Schulbücher: Digitale Schulbücher mit denen auch interaktiv gearbeitet werden kann, sodass also dieses Thema ein richtig großer Brocken ist, an dem wir gerade arbeiten.


Ich möchte mich zum Abschluss dieses Interviews herzlich für Ihre Zeit bedanken! Außerdem würde ich Sie gerne zu unserer Abitur-Zeugnisvergabe am 28.06.2019 einladen. Hätten Sie Zeit und Lust zu kommen?


Danke für das Interesse! Ich finde es toll, dass man sich auch mit der Politk auseinandersetzt und im Speziellen natürlich mit dem Kultusministerium, in meinen Augen das beste Ministerium. Ich würde gerne kommen, auch wenn ich natürlich noch nicht weiß, was Mitte Oktober (Anm.: Landtagswahl) passiert. Wir haben alle nur ein Amt auf Zeit, aber wenn das irgendwie möglich ist, komme ich natürlich. Ich trage mir den Termin schon einmal fest ein!


Ida Sailer

Kommentar schreiben

Kommentare: 0