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Spartaner erobern Olympiaberg



Wir erinnern uns:

480 v. Chr. -Schlacht bei den Thermopylen -  300 tapfere Spartaner halten das vielfach überlegene persische Heer auf. Bis zum letzten Mann kämpfend, opfern sie sich für ihr Land. Darin gründet sich der Mythos: “Spartaner weichen im Kampf nie“. 


Die Thermopylen sind in Griechenland, der Olympiaberg in München und wir schreiben das Jahr 2018. Keine Sorge die Geschichtsbücher müssen nicht neu geschrieben werden. Die Spartaner von heute trafen sich am letzten Wochenende im Olympiapark, um an einem „Spartan Race” teilzunehmen. Hinter diesem kriegerisch anmutenden Event verbirgt sich eine neue Trendsportart, die allgemein als „Obstacle Race” (übersetzt Hindernislauf) bezeichnet wird. So mussten die Helden von heute nicht nur eine Strecke von mindestens 5 km laufen, sondern dabei auch mehr als 15 Hindernisse überwinden. Dies waren hohe Klettergerüste, Stacheldrahtverhaue, Feuerbarrieren, die Durchquerung des Olympiasees usw. So konnte man meinen, der Olympiapark habe sich in ein Bundeswehrübungsgelände gewandelt. Auch die Anzahl der tapferen Spartaner war auf über 6000 Teilnehmer angewachsen. Diese wurden in Gruppen von rund 100 Teilnehmern - perfekt organisiert - nach einem Zeitplan auf den Parkur gelassen. Dies jedoch nicht, ohne am Start noch von einem „Heeresführer” mit der Stimme eines Oberfeldwebels auf den Kampf mit dem Schlachtruf der antiken Spartaner („Aroo, Aroo...“) , eingeschworen zu werden. Der Spartaner von heute ist zwar nicht mehr bewaffnet aber dennoch bestens mit Funktionsunterwäsche, speziellen Laufschuhen und auf seine Stammeszugehörigkeit hinweisenden Laufshirts (z.B. „Team - Weißbierfreunde”) ausgerüstet. Mit deren Hilfe stürzt er sich bevorzugt in die eingerichteten Schlammgruben. Deshalb werden ähnliche Veranstaltungen auch als „mud race” (übersetzt Schlammrennen) beworben. Jeder Teilnehmer trägt ein Stirnband mit seiner Teilnehmernummer und ein Armband, das der Zeiterfassung dient. Wer ein Hindernis nicht schafft, muss an dessen Stelle, „Strafburpees” (Mischung aus Liegestütz und Strecksprung) absolvieren. Im Teilnehmerfeld sind Hobbyathleten, genauso wie auch Profis. Im Gegensatz zur Antike werden hier auch viele Frauen zu kämpfenden Heldinnen. Wem die einfache Variante („sprint”) nicht genügt, kann sich auch an extremeren Varianten („super” -13 km und 20 Hindernisse oder „beast” - 20 km und mind. 25 Hindernisse) beteiligen. 


Diese Trendsportart hat die höchsten Zuwachsraten unter allen sportlichen Disziplinen. Ein Suchtfaktor wird zudem dadurch erzeugt, dass mit jeder Teilnahme an einem Rennen, der Heldenstatus steigt. Wer innerhalb eines Jahres die 3 Distanzen „sprint”, „super” und „beast” hinter sich gebracht hat, wird Mitglied der Gemeinschaft der „Spartan Trifectas”. Wer den Parkur hinter sich gebracht hat, stirbt nicht den Heldentod, wie die historischen Vorbilder, sondern erhält am Ziel Müsliriegel, Finisher „T-shirt” und eine große Medaille. Erschöpft, dreckig und stolz fahren die Spartaner von heute dann in ihren Streitwagen (SUV) mit der tiefen Überzeugung, zwar nicht die Perser, wohl aber den inneren Schweinehund besiegt zu haben, zufrieden nach Hause. Und wer die Teilnahmegebühr von 70 Euro nicht scheut, auf den wartet die nächste Schlacht in Florida 28.4.18 und Wien 12.5.18.


Carolina Deuringer