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"Es gibt ein Land ... "

„Es gibt ein Land“, das sind die ersten Worte der Kinderoper „Die große Wörterfabrik“ des Komponisten Martin Zels, die derzeit im Spielplan des Theater Augsburg ist. Das Stück feierte am Montag mit Erfolg Premiere. Doch um was geht es in diesem Stück eigentlich, wer hat alles mitgewirkt und warum sollte man diese Kinderoper sehen?

 

Paul ist verliebt in seine Nachbarin Marie, was er ihr unbedingt an ihrem Geburtstag gestehen will, dabei gibt es allerdings ein Problem. Marie und Paul leben im Land der großen Wörterfabrik. In diesem Land spricht man kaum, denn um etwas zu sagen, muss man sich die nötigen Wörter erst kaufen und schlucken, doch das ist sehr teuer. Den Satz „Ich liebe dich“ auszusprechen, würde Paul ein Vermögen kosten, was er sich nicht leisten kann. Zu allem Unglück taucht dann auch noch Oskar auf, der es sich ohne Probleme leisten kann, all das Marie zu sagen, wovon Paul nur träumen kann. Pauls letzte Hoffnung ist Wörter im Müll zu finden oder mit seinem Schmetterlingsnetz aus der Luft zu fangen. Diese märchenhafte Geschichte stammt aus einem Bilderbuch von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo. Die Musik für die Kinderoper wurde 2013 von Martin Zels komponiert.

 

Die Kinderoper kommt mit einem sehr kleinen Team aus. Die Hauptdarstellerin Jihyun Cecilia Lee spielt oder vielmehr singt gleichzeitig die Erzählerin und Marie. Diese schöne Sopranstimme begleitet das Stück. Anatol Käbisch spielt den Paul und kann, obwohl er fast nichts sagt, absolut authentisch die Gefühlswelt von Paul darstellen. Der Schlagwerker Dennis Egger, der gleichzeitig Oskar darstellt, sorgt für die Grundlage der absolut rhythmischen Musik und wird unterstützt von einem Cello, gespielt von Jin Shi und vom Violinisten Mehmet Ali Yücel. Die Regisseurin Aileen Schneider beschreibt die Musik als sehr flächig, repetitiv, stark atmosphärisch und stimmungsvoll. Die Musik sei sehr zugänglich und ist in der Kinderoper größtenteils der Ersatz für die Sprache. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Schlagwerk. Die Streichergruppe gebe der Musik eine gewisse Basis, doch funktioniere auch sehr viel über den Gesang. Das Team hinter der Bühne besteht aus dem für die Bühne, Kostüme und die Ausstattung zuständigen Vittorio Greco und der Regisseurin Aileen Schneider. Aileen Schneider stammt aus Rheinland-Pfalz und ist seit dieser Spielzeit am Theater Augsburg. Sie ist selbst sehr musikalisch, spielt Klavier und Saxophon und komponiert auch selbst gerne. 2016 schloss sie ihr Regiestudium im Bereich Musiktheater erfolgreich ab.

 

Aufgeführt wird die Kinderoper im Foyer des martini-Parks. Die Treppe, die eigentlich zum Vorstellungsraum führt, wird hier zur Bühne. Unter der Treppe spielen die Musiker. Von der Treppe hängt ein schwarzer Vorhang, auf dem immer wieder einzelne Buchstaben oder Wörter projiziert werden, trotzdem kann man hinter dem Vorhang die Musiker noch sehen. Ansonsten ist das Bühnenbild sehr schlicht gehalten. Besonders charakterisierend ist hier die Nähe zu den Zuschauern, die fast nur einen Meter vom Geschehen entfernt sind, weshalb das Publikum jeden Gesichtszug sehen kann. Das erzeugt nochmal eine besondere Möglichkeit für die Kinder, sich besser mit den Figuren identifizieren zu können. Die Kostüme sind silbern und grau, allerdings haben die beiden Hauptdarsteller jeweils einen LED beleuchteten Regenmantel. Aileen Schneider hat diese kreativen Kostüme eingesetzt, um dadurch Licht ins Dunkel zu bringen durch die Fähigkeit zu lieben und zu kommunizieren. Auch passt das Stück genau in die Atmosphäre des martini-Parks, denn die alten Fabrikhallen erwecken das Land der großen Wörterfabrik nochmal besonders zum Leben.

Die Botschaft des Stückes wird sowohl durch die Musik als auch durch die Handlung übertragen. Die Kinderoper lässt einen nochmal ganz besonders über den Stellenwert menschlicher Sprache nachdenken und wie man selbst mit Sprache umgeht. Die Worte die im Stück gesagt werden haben eine große Bedeutung und gerade in unserer Zeit haben wir durch Social Media die Möglichkeit alles allen mitzuteilen. Diese Geschichte lässt einen darüber nachdenken, ob wir dem was wir sagen nicht wieder mehr Bedeutung hinzufügen sollten. Aileen Schneider fasst die Botschaft so zusammen: Kommuniziert. Sprecht miteinander. Traut euch zu sprechen. Traut euch vor allem eure Gefühle auszudrücken.

 

Am Montag dann war die Premiere. Die Kinder hören und sehen gespannt zu. Nach dem einprägsamen Ende gibt es begeisterten Applaus.

 

 

Martina Deurer

 

Bilder von Jan-Pieter Fuhr

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