· 

Sinnsucht am MWG

Botho Strauß' "Groß und Klein" inszeniert als Lebensentwurf des modernen Menschen



Wohin gehen wir und warum? Eine Frage, der wir uns alle an einem gewissen Punkt stellen müssen. Doch gibt es überhaupt eine Antwort, einen Sinn hinter dieser ewigen Suche der Menschheit, dieser tiefsten Sehnsucht nach der absoluten Wahrheit?

Vielleicht ist der Sinn ja die Suche selbst, das Streben nach unerreichbarer Erkenntnis - und vielleicht können wir, wenn wir diesen Entwicklungsweg Anderer beobachten, selbst auf dem unseren vorankommen.


Deshalb wird die Dramagruppe des Maria-Ward-Gymnasiums Augsburg am 16. April diesen Jahres die emotionale wie physische Reise der Protagonistin von Botho Strauß' Theaterstück "Groß und Klein" in Wort und Spiel nachempfinden.

Dabei soll der Fokus auf der Psyche der Charaktere liegen, ihrem Wandel, ihren Problemen, ihren Ketten, existenziellen Fragen und festgefahrenen Verhaltensmustern - welches Verhalten ist richtig, welches falsch, diese eine Frage, die den Figuren Strauß' zu entgleiten scheint.

Dadurch werden sie zum Sinnbild einer entfremdeten Gesellschaft, einem distopischen System, das das Individuum gefangen hält in einem unerreichbaren Ideal von Erfolg, Glück, Schönheit. 


Wie ironisch scheint sich Strauß' Protagonistin Lotte diesen Normen zu widersetzten, sucht nach einem Ausweg aus der genormten Stille, die uns alle trennt und verbindet.

Sie begibt sich auf die Suche nach so viel mehr als nur dem Sinn, der Vergangenheit, der Zukunft - sie sucht nach Menschlichkeit in einer Welt, die immer mehr entmenschlicht.


Durch die nachdenklich stimmenden Akzente des nihilistisch geprägten Bühnen- und Kostümbilds erhält ihr Streben einen absurd - fremdartigen Charakter, dem sich zu entziehen unmöglich wird.

Schwerlich kann man es noch Theater nennen, was die Schülerinnen und Schüler der Ober- und Mittelstufe visualisieren werden, vielmehr erschaffen sie eine skurrile Karikatur unserer alltäglichen Atmosphäre, aus der auszubrechen so unmöglich wie notwendig wird.

Zu diesem schon philosophischen Erlebnis lädt die Theatergruppe dieses Jahr ein - ganz im Sinne der Ablehnung an Gesellschaft und Konventionen wieder unentgeltlich.



Isabella Hacker 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0