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Unnötig, nicht perspektivlos

Nachtrag zu: „Schule? Nicht so!“


Mit einem Zitat zu beginnen ist die klassische, einfache und vor allem die beliebteste Art, einen Text zu beginnen. Doch ich verzichte, obwohl es sich anbietet, bewusst darauf. Das Zitieren galt in der griechischen Antike als Unsitte unter den Philosophen. Stattdessen legte jeder einzelne Wert darauf, seine eigene Weltanschauung darzulegen. Die eigenen Gedanken, angereichert durch Studien der Philosophie und der Wissenschaft, zählten. Ich finde diese Art der Individualität bewundernswert. Leben wir doch in einem Zeitalter, in dem sich kaum jemand  eine persönliche Meinung bilden kann, sondern an Fakten glaubt, mit denen er tagtäglich bombadiert wird. Die Griechen hingegen hinterfragten existenzielle Fragen. Was hält die Welt im innersten zusammen? Nicht durch Zufall brachte ihre Kultur Philosophen und Wissenschaftler hervor, die den Grundstein für die Beantwortung auf mathematische, chemische, physikalische und viele weitere Fragen legten. 


Mit einer idealistischen Arroganz ignorieren die Baby Boomer unsere Perspektive aus der Sicht des Postmaterialimus. Die „Erwachsenen“, die den Materialimus und Kapitalismus längst verinnerlicht haben, tun sich schwer, die, laut ihnen „perspektivlosen“, jungen Leute zu verstehen. Sie mit einem stupidem „pespektivlos“ zu betiteln, ist verständlich, denn wir haben keine Perspektive in ihrem Sinne. Wir wollen kein Kapital aufbauen und kein Materialismus fördern. Mit Selbstverwirklichung, Kreativität, Individualität und eigenen Interessen vorankommen, ist ein entspannter Weg. Ein Weg, der aus einem Denkverhalten entstand, das von den Materialisten gelernt hat. Kurz gesagt; egal ob man viel oder wenig Geld, Güter und/oder Macht besitzt, sterben werden wir alle! Glücklich sein, unabhängig von äußern Faktoren, erfüllt das Leben eben mit Entspannung und Zufriedenheit. Sich die Zufriedenheit nicht erkaufen, macht unsere Generation also aus. Diese Unterschiede in der Denkweisen der Generationen sind zwar schon lange bekannt, doch obwohl sie als ein solcher betitelt werden, scheinen die meisten „Erwachsenen“ den Wertewandel trotzdem noch zu leugnen. Es ist die Faulheit, die uns zu diesem Lebensstil führt. Wir wuchsen im wirtschaftlich starken Deutschland auf, uns stehen dadurch doch alle Türen offen um erfolgreich zu werden, sagen sie. Wahrscheinlich stimmt das auch und wir würden diesen Weg auch gehen, würde der Staat nicht in Superlativen denken. Besser und schneller reicht nicht mehr, am besten muss man sein. Nein, besser als der beste. Und das in kürzester Zeit.


Die Folgen einer Tat kann man sicherlich erst nach dem Geschehen zu 100% erkennen und nach mehreren Durchläufen klar festmachen. Unangenehme Nebenwirkungen können solche Folgen sein. So ist auch die Zeit des G8 nicht spurlos an den Abschlussjahrgängen 2010/11 - 2016/17 vorbeigegangen und werden es auch an den kommenden Jahrgängen. Es wäre schon eine Banalität, wenn die umstrittene Schulzeitverkürzung keine Auswirkungen gezeigt hätte. 

Die freie Persönlichkeitsentfaltung leidet hier am meisten. Denn um diese entfalten zu können, muss man Hobbys ausüben, etwas das Spaß macht und in dem man ein Talent hat. Nur das ist im achtjährigen Gymnasium nicht mehr möglich. Stundenpläne, die einen Nachmittagsunterricht bis 16:00 Uhr viermal die Woche vorgeben, sind Normalität. Und wer glaubt, dass man in dieser Zeit alles Notwendige erlernt, liegt falsch. Persönliche Meinungen und Diskussionen werden wegen des extrem hohen Zeitdrucks unterbunden und Fragen müssen zuhause zusätzlich zu den Hausaufgaben selbst erklärt werden. Viele künstlerische, sportliche und politische Talente gingen und gehen an diesem Schulsystem zugrunde, da die Zeit für außerschulische Dinge, die die persönlichen Stärken fördern, einfach nicht vorhanden ist. 


Ich möchte meine Individualität fördern und mir einen Geist aneignen, der über das Allgemeinwissen hinausgeht und mit dem ich Dinge hinterfragen kann. Doch das deutsche Schulsystem lässt einen täglich aufs Neue dank des hohen Drucks und der Aversion gegenüber eigenständigen, starken Persönlichkeiten in Depressionen versinken.


Das Ende möchte ich zum Teil noch den Neo-Materialisten widmen, die hier komplett außer Acht gelassen wurden. Sie passen sich gerne dem System an und haben sich ein extreme Form des Kapitalismus zu eigen gemacht. 

Ich habe außerdem die Erfahrung gemacht, dass sie häufig nichts mit den Worten revolutionär, Euphorie und Emanzipation anfangen können. Ein allzu guter Grund, warum in meinem Artikel kein Platz für sie ist.

Der andere Teil gebührt noch einmal dem Zitieren.

Meiner Meinung nach bieten sich Zitate viel besser zum vollenden eines Textes an. Deshalb möchte ich Ihnen ein Zitat von mir mit auf den Weg geben;


„Wir sind perspektivlos, weil Deutschland uns nicht braucht. Wir müssen an einem Ort beginnen, wo wir gebraucht werden. Und nicht dort, wo wir überflüssig sind.“



Maria Strauß



http://www.tagesschau.de/inland/jugend-psyche-101.html 

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