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Nachtrag: Sensationssieg auf der Streif


„Fuck wie geil!“, brüllte Deutschlands neuer Skiheld Thomas Dreßen Sekunden nach seinem Sensationserfolg beim Hahnenkamm-Abfahrtsrennen am vergangenen Wochenende. Diese Worte verdeutlichen die unbändige Freude, die Thomas Dreßen in diesem speziellen Moment überwältigt haben muss. Mit zwei Zehnteln Vorsprung vor dem Schweizer Beat Feuz, der seit Jahren zur Weltspitze in den Speeddisziplinen gehört, kam der Deutsche über die Ziellinie. Nur ausgesprochene Kenner der Szene hatten ihn für dieses Rennen zu den Titelaspiranten gezählt, wissend, dass sich seine Leistungen und Platzierungen  in den vergangen Jahren kontinuierlich gesteigert hatten.


Thomas Dreßen wurde am 22. November 1993 in Jülich (Nordrhein-Westfalen) geboren und lebte mit seiner Familie im bayrischen Mittenwald, bevor er bereits nach der Grundschule für bessere Förder- und Trainingsmöglichkeiten nach Österreich zog. Dort besuchte er zunächst die Skihauptschule Neustift im Stubaital, sowie anschließend das Skigymnasium Saalfelden, welches er 2013 mit der Matura abschloss. Bereits mit 12 Jahren musste er einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten, als sein Vater Dirk im Herbst 2005 bei einem Unglück in Sölden starb, bei dem ein Hubschrauber einen 750 kg schweren Betonbehälter über einer Seilbahn verlor. Zur Erinnerung an seinen Vater trägt Dreßen auf seinem Skihelm links und rechts die Zahl 44. Diese steht für den vierten Buchstaben des Alphabets -D- und ergibt die Initialen seines Vaters. 

Der auf die Speeddisziplinen Abfahrt, Super-G , sowie die Kombination spezialisierte Rennfahrer gab am 21.01.2011 als 17-jähriger sein Europacupdebüt am Oberjoch. Im Jahr 2012 startete Dreßen dann durch: er gewann die Silbermedaille bei der Juniorenweltmeisterschaft im Riesenslalom und fuhr am 20.01.2012 beim Super-G Rennen im italienischen Sarntal auf den 2. Platz. An diese starken Leistungen schloss er einige Top-Ten Ergebnisse in der Abfahrt und dem Super-G an und wurde 2013 Mitglied des  Zoll-Skiteams, zu dem auch die deutschen Spitzenrennfahrer Felix Neureuther und Viktoria Rebensburg gehören. Sein Weltcup-Debut gab Dreßen am 21.02.2015 bei der Abfahrt in Saalbach-Hinterglemm und erreichte dabei den 39. Platz. In der Sommervorbereitung auf die Saison 2015/16 wurde Dreßen in den B-Kader des Deutschen Skiverbandes befördert. Ab der Saison 2016/17 steigerte er seine Leistungen kontinuierlich und konnte auch in der laufenden Saison immer bessere Ergebnisse einfahren: am 02.12.2017 erreichte Dreßen mit einem 3. Platz bei der Abfahrt in Beaver Creek (USA) seinen ersten Podiumsplatz im Weltcup. Außerdem belegte er sowohl in Bormio (Italien) als auch bei der Abfahrt im schweizerischen Wengen den fünften Platz, bevor er seine herausragende Saison am vergangenen Wochenende mit dem Triumph beim Hahnenkamm-Abfahrtsrennen krönte, der gleichzeitig auch sein erster Weltcupsieg ist. Damit ist er der erste Deutsche seit Sepp Ferstl 1979, dem es gelang, die Streif zu gewinnen und es ist der erste Sieg bei einem Abfahrtsrennen  für die deutschen Männer seit 2004. Für die Olympischen Spiele im Februar gilt Thomas Dreßen auch aufgrund seines Streif-Erfolges als große Medaillenhoffnung der deutschen Skirennfahrer.


Ida Sailer

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