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Die Streif - zwischen Stadionatmosphäre und Lebensgefahr



Jeder Abfahrer träumt seit kleinauf davon, einmal DAS Abfahrtsrennen, die Streif, zu gewinnen und somit in den Genuss der Anerkennung zu kommen, die so ein Sieg mit sich bringt. Außerderm gefällt vielen der Nervenkitzel, den diese Abfahrt hervorruft, da die Läufer 100% ihres Könnens abrufen müssen, um heil im Ziel anzukommen. Doch wieso setzen sich die Rennfahrer freiwillig einem solchen Ritt auf der Rasierklinge aus?


Das Hahnenkamm-Rennen ist eine Sportveranstaltung im alpinen Skisport, die seit 1931 am Hahnenkamm in Kitzbühel ausgetragen wird. Seit der Einführung des alpinen Skiweltcups finden sie im Rahmen der Rennserie im Januar des Jahres, genau eine Woche nach dem Lauberhornrennen in Wengen (Schweiz) statt, dieses Jahr vom 19.01.2018 - 21.01.2018.  Seitdem 2017 die Alpine Kombination aus dem Rennprogramm gestrichen wurde, finden an diesem Wochenende sowohl ein Slalom, als auch das prestigeträchtige Abfahrtsrennen der Herren auf der Skirennstrecke „Streif“ statt. Diese zählt mit einer Streckenlänge von 3.312 m und einem Durchschnittsgefälle von 27%  zu den gefährlichsten und schwierigsten Rennpisten der Welt. Das Abfahrtsrennen erfreut sich einer Popularität, die in diesem Ausmaße im alpinen Skirennsport einmalig ist - zwischen 40.000 & 50.000 Zuschauer fiebern im Zielhang mit ihren Lieblingen mit. Diese Begeisterung rührt einerseits von den Geschwindigkeiten und der Einzigartigkeit der Strecke her, sowie andererseits von der Gefahr, in die sich die Rennfahrer bei der Teilnahme an diesem Rennen unweigerlich begeben. 


Mit 50% Gefälle beginnt die Streif mit dem steilsten Startschuss im alpinen Skiweltcup und ist auch in den folgenden Passagen eine Abfahrt der Superlative: Der erste Sprung, auch Mausefalle genannt, führt direkt in den steilsten Streckenabschnitt mit einem Gefälle von 85%. Dabei befinden sich die Läufer je nach Pistenpräparierung bis zu 60m in der Luft, bevor sie sich in der Kompression der Mausefalle kurzfristig Kräften des rund zehnfachen ihres Körpergewichts ausgesetzt sehen. Daraufhin müssen die Rennfahrer nicht nur einen 180-Grad Rechtsschwung, sondern auch den technisch anspruchsvollen Steilhang meistern, bevor sie sich der Zielschuss-Kompression stellen, bei der sie maximale Geschwindigkeiten von 140 km/h erreichen. Den Abschluss dieser Abfahrt bildet der Zielsprung, bei dem die Läufer bis zu 80 m weit fliegen. Mit einer Laufzeit von 1:51,58 min hält der Österreicher Fritz Strobl seit 1997 den Streckenrekord auf der Streif.  Den Rekord der meisten Siege der Hahnenkamm-Abfahrt hält der Schweizer Didier Cuche: Er gewann die reguläre Abfahrt viermal: 2008, 2010, 2011 & 2012, sowie eine zusätzlich ausgetragene Abfahrt 1998. 


In regelmäßigen Abständen wird die Streif jedoch von grausamen Stürzen überschattet, bei denen bis heute glücklicherweise noch kein Rennfahrer tödlich verunglückt ist. Zwei aktuellere Beispiele für solche schweren Stürze, die oftmals die Karriere der Läufer beendeten, sind zunächst der am 22.01.2009 beim Zielsprung des Abschlusstrainings schwer gestürtzte Schweizer Daniel Albrecht, sowie der am 20.01.2011 bei einem Trainingslauf verunglückte Österreicher Hans Grugger. Dabei erlitten beide schwere Kopf- & Brustverletzungen, sodass sie für einige Zeit im Koma lagen. Daniel Albrecht kehrte nach 22 Monaten Verletzungspause in den Weltcup zurück, während Hans Grugger 15 Monate nach seinem Unfall sein Karriereende bekannt gab, da die Nachwirkungen seines Sturzes kein Comeback zuließen.


Einmal abgesehen von den schweren Unfällen auf der Streif, bildet das Hahnenkamm-Event für Kitzbühel den sportlichen und gesellschaftlichen Höhepunkt des Jahres. Bereits die Planung der Durchführung der Rennen gestaltet sich aufgrund von Schneemangel von Jahr zu Jahr als eine wachsende Herausforderung für den Kitzbüheler Ski Club und seine Verantwortlichen. Dabei werden keine Kosten gescheut, um die Rennen unter allen Umständen stattfinden zu lassen. Das Rennwochenende ist das touristische Aushängeschild und natürlich auch das wichtigste Marketing-Instrument der Stadt, da für dieses Event Gäste aus fast ganz Europa und natürlich Nordamerika anreisen und alle Hotels ausgebucht sind. In ganz Kitzbühel herrscht ausgelassene Stimmung und in allen Straßen wird gefeiert. Außerdem lockt die Streif auch reihenweise Prominente in die Stadt, wie beispielsweise Arnold Schwarzenegger oder Andrea Berg. Das höchste Preisgeld der Saison, sowie gefeierter Mittelpunkt der Partys mit prominenten Gästen aus Wirtschaft, „Showbiz“ und anderen Bereichen des öffentlichen Lebens zu sein, winkt dem Sieger dieses außergewöhnlichen Rennens.


Ida Sailer

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