Platzverweis für Doping

Einmal mehr gerät ein internationales Sportereignis in den Schatten der Diskussion um Doping im Leistungssport. Wie schon anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro im Jahre 2016 hat das IOC nunmehr den russischen Wintersportverband von der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang wegen Dopingvorwürfen ausgeschlossen. Was aber ist Doping eigentlich genau? Man versteht darunter die Einnahme von Substanzen oder die Nutzung von Methoden zur Steigerung der körperlichen Leistung. Während früher die Steigerung der Leistungsfähigkeit für kriegerische Auseinandersetzungen (Koca bei den Azteken und Amphetamine als Wachhalter für Kampfpiloten und Soldaten) im Fokus stand, ist heutzutage Doping ein Thema vorwiegend im Leistungssport. Die pharmazeutische Industrie stellt für verschiedenste Anforderungen spezifische Dopingmittel zur Verfügung. Man unterscheidet Stimulanzien (Aufputschmittel, wie z.B. Amphetamine, Kokain, Koffein), die kurz vor oder während des Wettkampfes eingenommen werden. Sie steigern die motorische Aktivität und die Risikobereitschaft. Sie vertreiben die Müdigkeit und das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Daher finden Sie insbesondere im Motorsport, Anwendung. Daneben gibt es Narkotika, die z.B. den Muskelschmerz unterdrücken und deshalb bei Gewichthebern beliebt sind. Anabolika hingegen unterstützen den Muskelaufbau. Sie sind die am meisten verbreiteten Dopingpräparate, da sie nicht nur im Leistungssport, sondern vor allem auch von Bodybildern und Menschen, die ohne Anstrengung, Muskeln aufbauen wollen, verwendet werden. Ihre Wirkung auf die Hormonproduktion führt regelmäßig bei Frauen zu einem ausgeprägten männlichen Erscheinungsbild. Betablocker, die eine Senkung der Herzfrequenz hervorrufen, verhelfen Schützen und Golfern zu einer ruhigen Hand. So hat nahezu jede Sportart ihr spezifisches Dopingmittel. Allen ist jedoch gemeinsam, dass sie erhebliche negative Nebenwirkungen auf die Gesundheit des Nutzers haben. Störungen des Herzkreislaufsystems, Schädigungen der Leber und anderer Organe, Lähmungen des Atemzentrums sind ebenso anzutreffen, wie Bewusstseinstrübungen, Abhängigkeiten und Depressionen. Selbst Todesfälle nach Einnahme von Dopingmitteln sind nicht selten. Damit unterscheiden sich Dopingmittel aber nicht von legalen Drogen wie z.B. Alkohol oder Nikotin, die eine ähnliche Selbstgefährdung des Konsumenten verursachen. Weshalb dann aber ein Dopingsverbot? Doping beeinträchtigt die Fairness und Chancengleichheit im Sport, lautet das zentrale Argument. Bei vordergründiger Betrachtungsweise ist dieses Argument problematisch, da es jedenfalls im Leistungssport darauf ankommt eine höhere Leistung als die Konkurrenten zu erzielen. Mithin gilt es gerade in Wettkämpfen, ein unterschiedlich ausgeprägtes Talent zu nutzen. Solange Sportler jedoch im Übrigen unter gleichen Voraussetzungen an Wettkämpfen teilnehmen, kann man von einem fairen Wettbewerb ausgehen. Durch den Gebrauch von Dopingsubstanzen oder Dopingmethoden, wird jedoch außerhalb der natürlichen Ungleichheit von Sportlern, die Chancengleichheit und Fairness einseitig zugunsten der dopenden Sportler beeinträchtigt. Gerade im Spitzensport haben derartige Verhaltensweisen auch eine hohe wirtschaftliche Komponente. Überdies wären im Falle der Freigabe des Dopings nicht dopenden Sportler in vielen Fällen chancenlos. Die Anwendung von Dopingsubstanzen oder Dopingmethoden greift darüber hinaus tief in die Werte des Sportes ein. Natürliche Werte, wie Talent, Willensbereitschaft, Trainingseifer und Disziplin sollten über Erfolg oder Misserfolg in sportlichen Wettkämpfen entscheiden. Dieser Sinngehalt des Sports wird durch Doping massiv beeinträchtigt. Der Spitzensport übernimmt in der Gesellschaft eine ganz wesentliche Vorbildfunktion. Sportliche Werte und Prinzipien werden auf andere Lebensbereiche übertragen, um auch außerhalb des Sports Höchstleistungen unter Beachtung des FairPlay-Gedankens zu erbringen. Doping verzerrt den fairen Wettbewerb einseitig zugunsten der gedopten Sportler. Hinzu kommt eine gesundheitspolitische und volkswirtschaftliche Relevanz. Gesundheitliche Schäden die durch den Konsum von Dopingmitteln verursacht werden, können im hohen Maße das Gesundheitssystem und damit die gesamte Gesellschaft belasten. Vorsichtige Hochrechnungen gehen davon aus, dass allein die Kosten für die medizinische Behandlung aufgrund von Schäden die durch die Einnahme von Dopingmitteln im Fitnesssport verursacht werden, im Milliardenbereich liegen. Nicht zuletzt deshalb hat auch der Gesetzgeber reagiert und mit dem Anti Dopingsgesetz den Erwerb und den Besitz, wie auch die Herstellung, die Abgabe usw. von Dopingmitteln mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe sanktioniert. Auch wer unter Verwendung von Dopingmitteln an einem Wettbewerb des organisierten Sports teilnimmt, muss mit Geld-oder Freiheitsstrafe rechnen. Doping ist kein Kavaliersdelikt. Damit ist ein klares Zeichen gesetzt gegen die immer wieder aufkeimende Forderung auf Freigabe von Doping. Diese Forderung ist wohl weniger mit sachlichen Argumenten begründet als vielmehr von der Frustration aus dem Wissen getragen, dass andere Länder, insbesondere solche des Ostblocks, Doping als legitimes Mittel zur Steigerung der Leistung ihrer Athleten verstehen. Einem solchen Staatsdoping hat nun das IOC mit seinem Beschluss zum Ausschluss des russischen Wintersportverbandes einen Platzverweis erteilt.

 

 

     Carolina Deuringer

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