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Nordkorea-Konflikt: Russland bietet sich als Vermittler an

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Eine unerwartete Entwicklung in der Krise zwischen Nordkorea und den USA sorgt derzeit für Aufsehen. Nachdem die Staatsoberhäupter beider Staaten sich in letzter Zeit zunehmend aggressiv gegenüber der anderen Seite verhielten, überraschte Russland mit dem Angebot, als Vermittler zu fungieren. Seit dem Atomtest Nordkoreas 2006 provozierte das Kim-Regime immer wieder mit militärischen Machtdemonstrationen. Das Amerika unter Obama ertrug dies noch mit Gefasstheit; in der Hoffnung, dass unzählige UN-Sanktionen das Land bald in seine Schranken weisen würden, ignorierte Obama alle Provokationen. 

Doch mit Trumps Amtsantritt bekam der koreanischen Diktator endlich den Gegner, den er wollte. Schon fast begeistert sprechen die Staatsoberhäupter immer wieder neue Drohungen im Staatsfernsehen oder auf Twitter aus und beweisen sich ihre Stärke mit öffentlichen Waffentests. Die Weltgemeinschaft schaut ihnen angespannt zu; die Kriegsstimmung von ´62, dem Höhepunkt der Kubakrise, will in der Bevölkerung einfach nicht aufkommen. Alle beten, dass jemand die beiden zur Vernunft bringt. 

Die perfekte Gelegenheit für Mother Russia, um ihr Image aufzupolieren: Nachdem sie erst die Amerikaner davon überzeugt haben, einen Clown zum Präsidenten zu wählen, zeigen sie ihnen und dem Rest der Welt nun, wie unklug das war. Schafft Russland es tatsächlich, den Konflikt zu beruhigen, dürfte es damit die eigene Stellung um einiges verbessern; Amerika stünde dagegen schlecht da. 

Hofft Putin auf eine Neuorientierung Europas in Richtung Russland? Es werden immer mehr Stimmen laut, sich von der Trump-Regierung loszulösen und eine selbstständigere Politik zu verfolgen. Hoffen wir zunächst, dass die Russen sich in ihrer neuen Rolle als Friedensstifter bewähren und Trump etwas bremsen. Das sollte den Beliebtheitsgrad Russlands bereits etwas heben. Wie auch immer die Krise sich weiter entwickelt, es lohnt sich auf jeden Fall, die Sache mitzuverfolgen. Man will ja nicht verpassen, wenn der Dritte Weltkrieg beginnt. Wobei das für Twitteruser ohnehin schwierig werden dürfte.

 

Luisa Eschenbacher

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