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Videobeweis - Schiedsrichterunterstützung oder Fußballkiller

 


Samstag, 2.12.2017. Schiedsrichter Robert Hartmann hält sich nach einem Foul den Finger ans Ohr. Die Spieler unter Spannung, die Fans aufgebracht und der Schiedsrichter lässt die Situation noch einmal überprüfen und bekommt vom Videoassistenten das Signal, er möge sich die Situation selbst noch einmal ansehen. Nachdem er sich die Szene selbst noch einmal bewertet hatte, zeigt er Wendell vollkommen zurecht die rote Karte statt der gelben.  Doch was hat es mit dieser Weise eine Entscheidung zu revidieren auf sich? 

 

Der Videobeweis ist eine in vielen europäischen Ligen neu eingeführte Technik zur Behebung von Fehleinschätzungen des Schiedsrichters auf dem Feld. Der Videoschiedsrichter sitzt außerhalb des Stadions und verfolgt das Spiel aus mehreren Kameraperspektiven. Erkennt er ein eindeutiges, schweres Fehlverhalten des Referees, so signalisiert er ihm das. Gleichzeitig kann dieser bei einer Situation in der er sich unsicher ist, um eine Analyse der Szene bitten. Falls der 5. Offizielle sich nicht festlegen möchte, kann der Unparteiische sich die Aktion auf einem Monitor am Spielfeldrand ansehen, denn die letztgültige Entscheidung trifft immer der Schiri auf dem Feld. Doch durch die Einführung sind die Diskussionen um falsche Einschätzungen des 1. Offiziellen leider nicht verschwunden. So stellt man sich durchaus die Frage inwieweit der Videobeweis dann überhaupt sinnvoll ist. Oder schadet er dem Fußball gar? 

 

Trotz vieler Kritik der neuen Technik aufgrund der vielen Fehlentscheidungen, ist der Ruf danach noch nicht verstummt. Dies basiert auf der Tatsache, dass die Zahl der Fehlentscheidung deutlich kleiner als die der durch den Videobeweis korrigierten Situationen. So wurden von 36 Fehlentscheidungen an den ersten elf Spieltagen 27 erkannt und behoben. Dies ergibt eine Erfolgsquote von ca. 75%.  Außerdem sind strittige Situationen oft sogar aus verschiedensten Perspektiven nicht eindeutig zu klären, da die Situation zugunsten beider ausgelegt werden muss. So sind sich die Fußballexperten über das Foul an Christian Gentner (VFB Stuttgart) vom 16. September 2017 bis jetzt noch nicht einig ob dies ein Foul war oder ein unglücklicher Zusammenprall obwohl die Kamera freie Sicht auf die Szene bietet. Bei solchen Fifty-Fifty Situation sind auch dem Videoschiedsrichter die Hände gebunden. Solche Situation können egal mit welcher Technik nicht vermieden werden. Ein letztes ausschlaggebendes Argument ist, dass Spieler oder Schiedsrichter nicht mehr als Sündenböcke dienen müssen, da nun eine weitere externe Person das Spiel im Blick hat. Durch den Videobeweis können Phantomtore wie das Tor von Steffan Kiesling (Bayer Leverkusen) gegen 1899 Hoffenheim am 19.10. 2013 bei dem der Ball durch ein Loch im Aussennetz hinter der Linie landete, geahndet werden. Dem Schützen wurde unterstellt er habe gesehen, dass das Tor nicht regelkonform entstand und stark beschimpft. Ebenfalls der Schiedsrichter, aber genau solche Situationen können nun nicht mehr entstehen. Somit ist der Videobeweis eine Erleichterung für  Spieler und Schiedsrichter. 

 

Die Stimmen gegen den Videobeweis sind mindestens genauso laut. So blicken sie kritisch auf einige korrekte Entscheidungen des Referees auf dem Feld, die fälschlicherweise vom Videoassistenten korrigiert wurden. So zeigte am der Schiedsrichter beim Spiel Augsburg gegen Hoffenheim am 25.11.2017 indem Maximilian Arnold zuerst richtigerweise die Gelbe Karte gezeigt bekam, woraufhin der Schiedsrichter dann durch eingreifend des Assistenten doch die Rote gab. Diese war jedoch vollkommen überzogen. Ein weiterer großer Faktor ist die Zeit, die benötigt wird um die Szene zu analysieren und eine Entscheidung zu fällen. Diese fehlt oft am Ende, sodass durch den Videobeweis indirekt Zeitspiel unterstützt wird. Außerdem kann man sich nicht darauf verlassen, dass ein Tor gewertet wird, da der Videoschiedsrichter noch eingreifen kann. Dies kostet die Spieler oft viel psychische Leistung wenn mehrere Entscheidungen hintereinander revidiert werden müssen. Außerdem sind viele Fans der Meinung, dass Fehlentscheidungen zum Fußball gehören und etwas fehlt, wenn dieser Diskussionsstoff genommen wird. 

 

Doch man muss bedenken, der Videobeweis ist seit dieser Saison neu eingeführt und damit noch in den Anfängen. So werden in Zukunft hoffentlich Probleme wie die verlorene Zeit oder auch die Fehlentscheidungen werden sich hoffentlich in der Zukunft bessern. Die Diskussion schadet dem Fußball deutlich mehr als der Videobeweis an sich, denn die Fans sprechen mehr über die Technik als über die Spiele. Das schadet dem Fußball definitiv. 

 

Moritz Kramer